Fake News und Halbwahrheiten erkennen

FAKE NEWS SIND BEWUSST ERFUNDENE LÜGENGESCHICHTEN

Das Wort „Fake“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Fälschung, Betrug“6. Laut Duden handelt es sich bei „Fake News“ um „Falschmeldungen“.7 Für den Journalisten Patrick Gensing sind es „bewusst irreführende Meldungen, die gezielt verbreitet werden, um eine bestimmte Botschaft zu transportieren oder um eine bestimmte Absicht zu verfolgen“.8 Ziel ist es, Menschen zu „verwirren, zu manipulieren und zu desinformieren, ohne dass diese es merken“.9 Da Fake News in einer bewussten Absicht produziert und verbreitet werden, werden diese auch von denen, die sie produzieren, nicht korrigiert.10 Seriösen JournalistInnen können natürlich auch einmal Fehler passieren, doch diese werden in der Regel korrigiert. Fake News lassen sich mit einem Faktencheck meist relativ einfach enttarnen.

HALBWAHRHEITEN SIND TEILWEISE ERFUNDEN UND TEILWEISE WAHR

Bei den weit verbreiteten Halbwahrheiten reicht im Gegensatz zu Fake News ein Faktencheck meist nicht aus, denn ein Teil der Meldung stimmt tatsächlich, ein Teil des berichteten Ereignisses hat tatsächlich stattgefunden, usw. Um die jeweilige Nachricht herum werden dann aber Lügengeschichten „nach dem Muster des Hörensagens“11 gesponnen. Oft werden Personen zitiert, deren Existenz man nicht oder nur schwer nachprüfen kann. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump wandte diese Methode gezielt an und berief sich beispielsweise auf etwas, „was er gehört“ oder „was er von einem seiner Freunde gehört“ habe.12 In den vergangenen Jahren waren auch in Deutschland zahlreiche „Alternativmedien“ aktiv und präsentierten „alternative Fakten“. Ziel ist es häufig, politische GegnerInnen zu schwächen und zu diffamieren.13 Insbesondere in der Corona-Krise wurde den Halbwahrheiten viel Glauben geschenkt.14 Hier einige Tipps, wie Du Fake News, Halbwahrheiten und Lügennachrichten enttarnen und eindämmen kannst. Schicke niemals Nachrichten, Filme oder Verlinkungen, die Du nicht einschätzen kannst, ungeprüft an Dritte weiter.

VIELE KLICKS HEISST NICHT UNBEDINGT SERIÖS

Nur weil ein Post, also eine Nachricht im Internet, viele Klicks oder „Gefällt-mir-Angaben“, also Likes, hat, heißt das noch lange nicht, dass der Inhalt auch seriös ist

QUELLENPRÜFUNG: ÜBERPRÜFE, OB DIE SEITE SERIÖS IST

Schau nach, ob die Internetseite ein gültiges Impressum besitzt (z. B. Nennung einer/s presserechtlich Verantwortlichen mit Namen und Adresse). Vorsicht ist bei Seiten ohne gültiges Impressum geboten. Hinweise zur Impressumspflicht findest Du auf der Seite des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz: https://www.bmjv.de/DE/Verbraucherportal/DigitalesTelekommunikation/Impressumspflicht/Impressumspflicht_node.html

Wird bei dem Beitrag eine Autorin oder ein Autor namentlich genannt?

Werden seriöse Quellen für die Informationen genannt? (z.B. Verlinkungen zu seriösen Internetseiten, Studien etc.)? Allein die Anzahl der angegebenen Quellen sagt nichts über die Vertrauenswürdigkeit des Beitrags aus. Ein Hinweis auf die Seriosität einer Nachricht ist, wenn sie auch auf Internetseiten von Nachrichtenportalen zu finden ist, die nach den Standards der journalistischen Sorgfaltspflicht arbeiten. Hierbei spielt der Pressekodex eine Rolle, der die ethischen Standards für den Journalismus festlegt. Diese kannst Du hier nachlesen: https://www.presserat.de/ pressekodex.html

Auch offizielle Behördenseiten, zum Beispiel die der Bundesregierung oder der Polizei, können Hinweise darauf geben, ob ein behauptetes Ereignis tatsächlich stattgefunden hat. Ein Beispiel: In der Querdenkerszene wurde 2020 die Nachricht verbreitet, dass im unterfränkischen Schweinfurt ein Kind wegen des Tragens einer Maske gestorben sei. Viele Menschen haben die Nachricht damals retweetet, ohne zu prüfen, ob das Behauptete überhaupt stimmt. Die Polizei in Unterfranken stellte auf ihrer Facebook-Seite schließlich klar, dass es sich um eine reine Erfindung, um eine Falschnachricht, handelte und bat darum, die Nachricht auf keinen Fall weiterzuleiten.15 Schau die angegebenen Quellen ganz genau an. Fake News werden innerhalb eines Netzwerkes häufig auf rechten oder rechtsoffenen Internetportalen gepostet und können ein „selbstreferenzielles System“ bilden: „Fake News A verweist als Quelle auf Fake News B, die sich wiederum auf Fake News C und A bezieht“.16

DIE ECHTHEIT VON BILDERN UND VIDEOS CHECKEN

Häufig werden Ausschnitte aus Videos gezeigt, die gekürzt und aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Daher lohnt es sich, nachzuprüfen, ob es sich überhaupt um das Original-Video handelt. Dies kannst Du herausfinden, indem Du die URL des Videos in die Maske folgender Internetseite von Amnesty International einträgst: https://citizenevidence. amnestyusa.org/

Auch Bilder sind häufig gefälscht oder werden aus dem Zusammenhang gerissen. Mit der Rückwärts-Bildersuche kannst Du herausfinden, was die Ursprungsquelle des Bildes ist. Die folgenden Internetseiten helfen dabei: https://tineye.com/ http://fotoforensics.com/

SOCIAL BOTS ERKENNEN

Auch „Trolle“ können im Internet viel Schaden anrichten. Doch im Gegensatz zu diesen sind „Social Bots“ keine echten Menschen, sondern „virtuelle Roboter, die in sozialen Netzwerken aktiv sind und dort ein soziales Verhalten vortäuschen“.17 Wenn ein Profil 24 Stunden am Tag twittert, kann es ein Hinweis auf einen „Social Bot“ sein.18 Social Bots reagieren kaum auf Anfragen. Die Seite https://foller.me/ hilft Dir, verdächtige Twitter-Profile zu analysieren. Die Firma „Botswatch“ analysiert gefälschte Konten.19

FALSE FLAG-AKTIONEN ERKENNEN

Vorsicht ist geboten, wenn im Zusammenhang mit Gewalttaten bereits Gerüchte über die Täter im Internet kursieren, noch bevor sich die Ermittlungsbehörden deutlich geäußert haben und wenn die Quelle des vermeintlichen Expertenwissens nicht offengelegt wurde. In den letzten Jahren versuchte die extreme Rechte immer wieder, rechts motivierte Gewalttaten Linken oder Islamisten zuzuschreiben.20 Teilweise wurden sogar gefälschte Bekennerschreiben entworfen und auf linksradikalen Seiten ins Internet gestellt.21 Solche Aktionen unter falscher Flagge (False-Flag-Aktionen) sollen Verwirrung stiften. Am Ende weiß der Leser nicht mehr, was nun stimmt und was nicht.

PETZEN IST GUT! HASS UND FAKE NEWS MELDEN!

Lügengeschichten sollten nicht unwidersprochen bleiben. Der Staat oder die Polizei können das Problem nicht allein lösen. Die Zivilgesellschaft ist gefragt und auch Du kannst etwas gegen Falschmeldungen und Hetze unternehmen.

Nach Ansicht der österreichischen Buchautorin und Journalistin Eva Linsinger „brauchen wir (…) eine Gegenbewegung zur Vermüllung der publizistischen Welt“. Ihre Empfehlungen: „Widersprechen Sie, mischen Sie sich ein, wenn in sozialen Medien gehetzt oder Unfug verbreitet wird. Stellen Sie sich dagegen. Melden Sie Hasspostings. Melden Sie Hetzkampagnen.

Überlassen Sie die öffentliche Meinung nicht den Lauten und Hetzern“.23

HASS IM NETZ MELDEN:

https://www.hass-im-netz.info/melden.html

ANTISEMITISMUS MELDEN

https://report-antisemitism.de/report/

HASS BEI TWITTER MELDEN

https://help.twitter.com/de/safety-and-security/report-a-tweet

HATE AID HILFT BETROFFENEN VON DIGITALER GEWALT

https://hateaid.org

FAKT ODER FAKE? – MACH DEN FAKTENCHECK

Prüfe, ob die behaupteten Inhalte stimmen oder ob es sich um Halbwahrheiten oder Fake News handelt. Folgende Seiten können Dir bei der Einschätzung helfen, ob eine Behauptung Fakt oder Fake ist:

https://correctiv.org/faktencheck/

https://www.mimikama.at/

https://www.tagesschau.de/faktenfinder/

https://eufactcheck.eu/

https://hoaxmap.org